100 Köpfe: Die Landwirtin Carina Laschober-Luif

Es ist etwas eingetroffen, mit dem kaum jemand gerechnet hat. Ich zumindest nicht. In einer Zeit, wo mein Terminkalender bummvoll mit Sitzungen, Veranstaltungen, Workshops und Schularbeiten lernen mit den Kindern war, kam plötzlich der vollkommene Stillstand und von einem Moment auf den anderen änderte sich Vieles. Eine Unsicherheit ging durch die Bevölkerung, vor allem was die Versorgung mit Lebensmittel und Klopapier betraf. Ich habe noch deutlich die Supermarktmitarbeiterinnen vor Augen, die – kurz bevor die Ausgangsbeschränkungen begannen – kopfschüttelnd vor dem komplett leeren Gemüseregal standen. Und den Mann, der mit seinem Einkaufswagen neben mir stand und mir den Tipp gab, doch Küchenrollen, anstatt Klopapier zu kaufen, weil das wäre schon ausverkauft – nicht dass ich eines kaufen hätte wollen, nur so nebenbei erwähnt.

Vor leeren Regalen zu stehen kennen wir in unseren Breitengraden nicht. Wir haben (fast) alle Lebensmittel immer in ausreichender Menge zur Verfügung. Wenn mal was nicht aus Österreich verfügbar ist, wird importiert. In Zeiten von Grenzschließungen werden die Nachteile der Globalisierung nur allzu deutlich bemerkbar und das Bewusstsein für heimische Lebensmittel rückt wieder mehr in den Mittelpunkt.

Die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern zählt zu den sogenannten systemrelevanten Branchen und die Leistungen, die wir für die Gesellschaft erbringen, werden plötzlich in einem ganz anderen Licht gesehen. Und das tut unserer Seele wirklich gut!

Doch auch viele landwirtschaftliche Betriebe trifft die Krise schwer und ich fürchte, dass auch hier in Zukunft viele mit dem „Überleben“ zu kämpfen haben werden:  Klein- und Kleinstbetriebe, die vom Verkauf ihrer Produkte auf Märkten leben; Winzer*innen, die ihren Wein über Gastronomie und Tourismus absetzen; Direktvermarkter*innen wie Buschenschenker oder Urlaub am Bauernhof Anbieter*innen, die wie Gastronomie- und Tourismusbetriebe geschlossen bleiben müssen; Schule am Bauernhof Betriebe und Seminarbäuerinnen, die keine Schuleinsätze machen können. Es gibt quer durchs Burgenland viele Betriebe, die nur wenige Hektare bewirtschaften, aber es durch Diversifizierung dennoch schaffen, davon zu leben. Für diese sind teilweise die kompletten Absatzmärkte weggebrochen! Aber auch der Gemüse-, Obst- und Weinbau und die Viehwirtschaft sind betroffen. In vielen Bereichen fehlen Arbeitskräfte und der Absatz stagniert. Den Pflanzenbau trifft aktuell auch noch die anhaltende Trockenheit und der Klimawandel macht sich mit voller Wucht bemerkbar. Es gibt also Vieles was uns in Zukunft massiv beschäftigen wird, und wo wir gute Lösungen finden werden müssen.

Aktuell führt uns die Coronakrise deutlich vor Augen, dass es wichtig ist, dass wir uns mit grundlegenden Dingen des Lebens – also auch mit Lebensmitteln – selbst versorgen können. Ziel muss es sein, unsere Bevölkerung mit heimischen Nahrungsmitteln zu versorgen und die Eigenversorgung zu sichern und auszubauen. Dazu brauchen wir all unsere Betriebe, sowohl die biologisch wirtschaftenden als auch die konventionell wirtschaftenden. Wir brauchen die schlagkräftige eine Menge produzierende Landwirtschaft genauso wie die Klein- und Kleinstbetriebe. So können wir den gesamten Markt bedienen und den Wünschen aller Konsumentinnen und Konsumenten nachkommen.

Ich sehe diese Krise als Chance neben der traditionellen Direktvermarktung wie Ab-Hof Verkauf, Bauernmärkte oder Bauernläden auch neue Vermarktungsformen wie Online-Plattformen, 24 Stunden Shops, Pop-up Märkte oder Webshops auszubauen und somit die Konsument*Innen und Produzent*Innen zusammen zu bringen. Es ist die Zeit, wo die Regionalität – Gott sei Dank – wieder mehr in den Fokus rückt! Nicht nur in der Landwirtschaft, sondern in der gesamten Wirtschaft und im Dienstleistungsbereich. Und wir merken erst wie wichtig und unersetzlich viele Berufsgruppen fürs tägliche Leben sind. Was sonst immer selbstverständlich war, wird nun zum Besonderen! 

Ich wünsche mir, dass der Arbeit der Bäuerinnen und Bauern auch zukünftig mehr Wertschätzung gegenüber gebracht wird. Was immer in ausreichender Menge und sogar im Überfluss vorhanden ist, wird nicht als besondere Leistung, sondern als Selbstverständlichkeit wahrgenommen. Und dennoch ist es nicht selbstverständlich, dass unser Tisch mit Lebensmitteln gedeckt ist, die wir gerne essen. Jede*r entscheidet durch seinen/ihren Einkauf welchen Weg die Landwirtschaft in Zukunft einschlägt. Denn schlussendlich spiegelt sich unser aller Einkaufsverhalten in unseren Ställen, Feldern, Gärten und Wiesen wider.

Ich hoffe, dass wieder mehr Menschen Freude an den einfachen Dingen des Lebens finden, wie einen Spaziergang in der Natur, einem g’schmackigen selbst zubereiteten Mittagessen mit regionalen und saisonalen Zutaten oder einfach damit mal nix zu tun. Jede Krise ist auch eine Chance! Die Chance besteht darin, es künftig besser zu machen!

Carina Laschober-Luif ist sehr innovative Landwirtin und Abgeordnete zum burgenländischen Landtag. Sie ist auch sehr engagiert in der lanfwirtschaftlichen Bildung und gibt fast schon vergessenes Wissen weiter!

Mostschank Luif

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.