(c) Markus Dörfler

100 Köpfe: Die Musikerin Sibylle Kefer

Ein sehr berührendes Statement von der Musikerin Sibylle Kefer. So der Virus es will, wird sie am 12. Septmeber bei herbst.wort.lieder auftreten.

Liebe Menschen,

So eine oage Zeit.
Zuerst kennt man sich nicht aus, ist außerdem so wie so beschäftigt mit persönlichen Agenden wie finanziellen Überlebensstrategien, Haltung Suchen und Finden, Updaten, Abwägen und daneben Kinder Betreuen, Einkaufen (wie? wo? mit wem? was? wieviel? wann?), Kochen, für die Schule Üben, Programm fürs Homeoffice Installieren oder Updaten usw. und dann beginnt man zu realisieren, dass es in jedem Falle anders ist. Anders als alles, was man bisher erlebt hat. Persönlich neu anders.

Und dass es somit in jedem Falle eine mega Herausforderung für die Kinder sein muss beim Ein- und Zuordnen. Für alle – für die Kleinen und für die Großen. Für die, die ihre Peergroups gerade dringend brauchen würden in ihrem Entwicklungsprozess ebenso wie für die, die ihre Omis und Opas vermissen. Für die, die sich grade verlieben und die, die sich von einem geliebten Menschen verabschieden müssen. Wie geht es meinen Kindern? Und meinen Eltern?

Und wie geht es eigentlich denen, die auch schon davor alleine waren? Wird es schlimmer? Bleibt alles beim alten?
Wie geht es denen, die lieber viel draußen sind, aber sich keinen Garten leisten können, oder keinen Balkon. Ist Entschleunigung möglich, wenn einem Existenzsorgen und Sorgen um die Liebsten und um sich selbst vielleicht auch im Gnack sitzen? Wie geht es den Familien und Kindern, mit denen ich normalerweise Woche für Woche arbeite?

Viele Fragen beschäftigen mich.
Und es treibt mich. Es treibt mich in die Musik, ich möchte spielen – mit meinem Mann musizieren und auch für euch spielen, ich möchte mir meine sieben Zwetschen zampacken, mich vor den Computer hauen und euch ein Wohnzimmerkonzert spielen.
Ich möchte mich auf den Balkon stellen und mit euch singen.
Ich möchte mich mit euch verbinden.

Aber ich schaffe es nicht. Ich schaffe es noch weniger als sonst. Zwei meiner Kinder sind im Volksschulalter, ich schaffe es nicht, mir diese Räume zu öffnen, es ist zu eng, zu dicht.
Noch.

Das wird kommen, ich weiß es und ich freue mich drauf!

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