100 Köpfe: Die Unternehmerin Herta Emmer

Herta Emmer ist Buchhändlerin, Kulturmanagerin, Obfrau des Vereins Lesekultur ohne Grenzen, Märchenerzählerin,
Vorleserin. Sie bloggt zu Literatur, Kultur und dem Leben. In den sozialen Medien präsent mit #hertasbüchertipp, #täglich eingedicht, #hertaliest und Moderatorin des virtuellen Lesekreises (Corona geschuldet)

Mein Leben in der Corona-Selbstbeschränkung

Orientierung

Woche 4 oder 5? Welchen Tag haben wir heute? Ich verliere die Orientierung. In der Karwoche hatte ich z. B. jeden Tag Samstag. Immer wenn ich wach wurde, hatte ich so ein Samstag-Gefühl. Wann war die Karwoche? Ist das nun schon ewig her? oder war das erst letzte Woche? Vorletzte Woche? Ich vermisse meine Tochter. Das ist das Schlimmste. Vor allem, weil ich gar nicht wusste, wie groß der Unterschied zwischen telefonieren, whatsapp-Videocall und persönlichem Treffen wirklich ist. Wir mussten das nie ausprobieren. Eine derart lange Trennung hatten wir noch nie. Sich nicht sehen, nicht wirklich Zeit miteinander verbringen. Die Qualität von persönlicher gemeinsamer Zeit – ja, das wusste man doch – aber gespürt habe ich es jetzt. Vieles spüren, erfahren, was so noch nie erfahren wurde. Das zeichnet diese Zeit aus. Ja, wir machen einen Quantensprung in digitaler Kommunikation. Wie froh ich bin, dass wir diese Plattformen haben! Wie gerne ich mit verschiedenen Menschen in Kontakt bin.

Schreiben, austauschen, streamen, Bilder, Videos, austauschen, liken, viele kleine Freuden. Einige große Themen, immer schriftlich, selten im virtuellen Raum, denn der muss geplant, eigens organisiert, technisch vorbereitet werden. Vermisst Das „einfach nur so“ zusammen sein. Einfach nur so, weil man sich mag, weil man die Gegenwart des anderen spüren mag. „Einfach nur so“ ohne Erklärung, ohne Begründung, Ohne Taktung, ohne Planung. Die gemeinsame Stille. Ohne ständige Interaktion, ohne immer etwas sagen, bzw. schreiben, zu müssen, da sonst der blinkende Cursor einen Abbruch der Leitung, einen Abbruch des Gesprächs, der Unterhaltung, des Austauschs vermutet. Immer schneller schreiben, Bilder posten, möglichst fröhlich, aktiv, unternehmungslustig, ideenreich. Dieses „einfach so“ beisammen sein. Ohne wirklichem Thema, ohne Agenda. Das Wochenende kommen lassen. Alle im Haus haben, kochen, gemeinsam essen, noch herumsitzen, Gespräche entstehen lassen, miteinander lachen. Alle Emotionen leben können. Langsam sein mit anderen, nachdenklich sein, traurig sein. Hinspüren. Geschweige denn körperliche Nähe. Eine Umarmung, ein Kuss, ein Händedruck. Sehnsucht „Einfach nur so“ Mensch sein.

Eure/Ihre Herta Emmer

denkt und liest gerade viel #wirschaffendas #zusammenhalt

BUCHWELTEN

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