100 Köpfe: Elisabeth Nussbaumer, Visionärin

Elisabeth lebt und arbeitet am Hof Sonnenweide. Das Foto stammt von Foto Fraller

Vor etwa zwei Wochen wurde ich gefragt ob ich Lust dazu hätte einen Text über meine Sicht auf die Corona Situation zu schreiben. Ich fühlt mich sehr geehrt und sagte natürlich gleich zu v.a. weil ich gerade in einem absoluten Hoch war und im Kopf schon am Artikel arbeitete. Aber jedes Mal, wenn ich mich hinsetzte um die Gedanken die mir so im Kopf herumschwirrten aufzuschreiben, musste ich nach wenigen Sätzen aufhören. Stets begann ich den Text damit,  das ich zwischen Hoffnung und Angst schwanke aber die Hoffnung überwiege. Ich dachte das die Welt nach Corona eine bessere und geläuterte sein könnte, das Menschen in der Zeit der erzwungenen Ruhe mehr Bewusstsein entwickeln würden für die Dinge die im Leben wirklich wichtig sind. Das viele erkennen würden das die Definition als Individuum über die Arbeit auf einem sehr unsicheren Boden steht weil sie von einem Tag auf den anderen weg sein könnte.  Aber irgendwie wollten meine positiven Gedanken nicht so recht in meine Hände und in den Computer fließen. Also wartete ich ab und tatsächlich, zwei Wochen später wurde mein Bild differenzierter

Klar, auf mein eigenes Leben hatte Corona kaum Einfluss. Ich lebe mit meinem Mann und ca. 120 Tieren in einem selbstgeschaffenen Paradies, auf einem 3,5 ha großen Lebenshof im Burgenland. Unsere Arbeit mit den Tieren ist komplett gleich geblieben, wir haben nur begonnen größere Mengen von Heu und Getreide einzulagern um die Tiere versorgen zu können. Ja, die  Patenschaftsanfragen, mit denen wir unsere Tier finanzieren sind ein bisschen eingebrochen, aber wir vertrauen darauf das unser Projekt weiterhin Unterstützung von seiner Community bekommt.  Mein Mann ist selbständiger Verkaufs-,  Kommunikationstrainer und Autor. Seine Trainingsaufträge waren natürlich weg, aber wir haben in den Vorjahren nicht viel ausgegeben und eine mehrmonatiger Verdienstausfall bringt ihm nicht den Ruin.

Ich habe mir schon vor Corona viele Gedanken gemacht über das Leben und dessen Sinn gemacht.  Diese ständige Müssen und vermeintliche Wollen, das oft nur die Erwartungshaltung der Gesellschaft ist, die man unhinterfragt einfach annimmt. Erst wenn wir mal aus dem Prozess aussteigt, so war es zumindest bei mir,  wird einem bewusst wie gesteuert man ist. Obwohl ich schon sehr frei leben fallen mir immer wieder Dinge auf, gerade bei Entscheidungen, bei denen ich oft innehalten muss und überlegen warum ich mich so oder so entscheiden möchte. Bin ich es, die etwas möchte, oder meine ich entsprechen zu müssen? Sehr häufig ist es Zweiteres und ich merke wieder wie sehr die Gesellschaft und deren allgemeinen Werte prägen.

Ich dachte nun, dass der coronabedingte Stillstand der Wirtschaft bei vielen Menschen einen ähnlichen Prozess auslösen würde. Eine Reflektion des eigenen Lebens, das Erkennen der eigenen Werte und möglicherweise deren Verschiebung. Das Lebenszeit oft verschwendet wird für Dinge die man eigentlich gar nicht mag und trotzdem tut weil es ja jeder macht.

Wenn ich mit Menschen aus meinem Umfeld gesprochen habe, hatte ich den Eindruck das es für viele genauso ist. Niemand wirkte während der Krise unglücklich, von kurzen ärgerlichen, ängstlichen oder wütenden Phasen einmal abgesehen. Diese Auf- und Abphasen hat aber auch der glücklichste Mensch, mit oder ohne Corona.

Und dann höre ich Radio und bin zutiefst traurig und desillusioniert. Die Einschränkungen der Geschäfte werden nun doch sehr rasch gelockert und man hat den Eindruck „die Wirtschaft“ steht in den Startlöchern um den verlorenen Umsatz nachzuholen. Mit Kampfpreisen, Angeboten, Werbung… sich doch jetzt nach der Krise etwas zu gönnen. Den Maledivenurlaub vielleicht, oder neue Kleidung gefertigt von Kinderhänden aus Bangladesch,…

Wie lange werden wir den Angeboten wiederstehen können? Wie lange wird es wohl dauern bis alles ist wie vorher oder noch schlimmer. Wie lange braucht es bis wir uns wieder über Arbeit und Konsum definieren. Wie lange dauert es bis das Glück scheinbar im Konsum liegt und ständig nach mehr verlangt….

Ja, die Realität in Form von Medienberichten hat mich eingeholt und ich bin niedergeschlagen… Was hätten wir alles aus dieser Erfahrung machen können? Wie hätten wir das Wissen nützen können zu erleben was plötzlich alles möglich war und vorher undenkbar erschien.

Und dann ist da wieder die Hoffnung, die sich nicht unterkriegen lässt. Verschiedene Studien *) sagen das man nicht die ganze Menschheit ändern muss, um neue Ideen zu verwirklichen. Es reichen 25 Prozent für einen grundsätzlichen Wandel. Das gilt im Positiven wie auch im Negativen. Egal ob diese Zahl nun genau stimmt oder nicht, wenn ich daran denke ist es ein gutes Gefühl. Es scheint erreichbar und realisierbar, jeder von uns muss nur eine paar andere Menschen begeistern, dann schaffen wir das, mit oder ohne Corona.

*)https://www.futurezone.de/science/article214543635/Studie-zeigt-wie-viele-Menschen-ihr-braucht-um-die-Gesellschaft-zu-veraendern.html

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