100 Köpfe: Die Schülerin Julia Zink

Die Schülerin Julia Zink beschreibt sich als zuversichtlich, lebensfroh und idealistisch. Sie ist 17 Jahre alt. Die Natur und Zeit mit ihren Mitmenschen hat für sie höchste Relevanz. Sie träumt von einem zufriedenen Dasein!

Regenbögen

Regenbögen wachsen auf Fensterscheiben, auf Asphaltböden. Regenbögen spiegeln sich in unsern Augen. Regenbögen entspringen unseren Herzen. Regenbögen verbinden – dich und mich.

Krise, Krankheit, Katastrophe – Ausgangsverbot, Atemnot, Tod. Ich sehe maskenverhüllte Wesen durch die Straßen eilen, distanziert und unzugänglich. Ich sehe überfüllte Krankenhäuser, regsame Ärzte in Schutzanzügen eingemummt, ringende Menschen nach Luft, nach Lebensgeist. Ich sehe, ich spüre Angst und Verzagen, ich sehe, ich spüre Verzweiflung und Furcht.
Aber ich trage keine schwarze Brille auf der Nase und bin auch nicht gefangen im Tunnelblick. Der Blick ist weit, der Blick ist offen und ich sehe viel mehr.

Ich sehe Menschen, die beginnen, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Menschen, die beginnen, die Liebe zu Büchern zu entdecken und sich voll Abenteuergeist in neue, fremde Welten stürzen. Menschen, die beginnen, Ruhe und Zeit zu finden, um sich dem schöpferischen und heilenden Prozess des Malens hinzugeben – vertieft und versunken im kreativen Fluss. Menschen, die beginnen, Ausdauer, Disziplin und Motivation zu gewinnen, um ein Instrument zu erlernen und sich an den Klängen der Musik zu erfreuen. Menschen, die beginnen in die Natur zu gehen, zu laufen, Rad zu fahren, zu wandern, zu genießen! Menschen, die beginnen, sich selbst zu lieben.
Ich sehe Menschen, die beginnen, sich mit ihren Mitmenschen zu beschäftigen. Menschen, die beginnen, gemeinsam im Kreis der Familie zu kochen, zu backen, zu experimentieren. Menschen, die beginnen, einander vorzulesen, im Garten oder auf der Terrasse bei Sonnenschein. Menschen, die beginnen, für die ältere Nachbarschaft einkaufen zu gehen, einander beizustehen, einander verstehen, einander unterstützen, einander schützen. Menschen, Groß und Klein, die beginnen gemeinsam im Wald nach Bärlauch oder Pilzen zu suchen und gemeinsam ein Ziel vor Augen haben. Menschen, Groß und Klein, die beginnen zusammen auf der Straße Tennis, Fußball oder Volleyball zu spielen, eine Einheit, ein Team zu formieren. Menschen, die beginnen sich zu engagieren, in Supermärkten aushelfen, in der Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft eine helfende Hand bereitstellen, in der Pflege und Betreuung tatkräftig mitarbeiten! Menschen, die beginnen, einander zu lieben.
Ich sehe Menschen, die beginnen, sich mit der Umwelt zu beschäftigen. Menschen, die beginnen in der Natur einen wertvollen, Geborgenheit gebenden Ort zu entdecken, die sich nicht mehr hinter Hauswänden verstecken, sondern Landschaften, Felder, Wälder und Wiesen in ihrer wundervollen Schönheit auskosten! Menschen, die beginnen, ihren Lebensstil zu überdenken, zu reflektieren, zu reagieren. Menschen, die beginnen, nicht mehr zu fliegen, weniger Auto zu fahren, zu Fuß zu gehen oder sich lebensfroh aufs Fahrrad zu schwingen. Menschen, die beginnen weniger Fleisch zu essen, die wahre Gaumenfreude in vegetarischen Gerichten wiederfinden und sogar so manches Gemüse im Garten oder am Balkon heranzuziehen. Menschen, die beginnen, weniger zu konsumieren und das Glück in Momenten, anstatt im Materiellen zu entdecken. Menschen, die beginnen, bescheiden, genügsam, gütig und dankbar zu werden. Menschen, die beginnen, diese Welt zu lieben.

Auch wenn uns augenscheinlich Zäune, Wände, Computerbildschirme, Masken voneinander trennen – waren wir jemals zuvor so verknüpft, so verbunden wie jetzt? So unnahbar und doch so nah! Wir beginnen miteinander zu reden, aufeinander einzugehen, voneinander zu lernen, durcheinander zu wachsen. Wir wachsen in unserer Persönlichkeit, wir wachsen zusammen, wir halten zusammen! Wir beginnen einander wahrhaftig zu sehen!
Ein Bewusstsein von bedeutender Kraft durchdringt unseren Geist – ein Bewusstsein, hier und heute zu sein – ein Bewusstsein, am Leben zu sein! Wir alle, hier, auf dieser Welt. Wir alle, heute, im selben Boot. Starke Stürme und wild wütende Wellen drohen das Boot zum Kentern zu bringen… Nun liegt es an uns, dem entgegen zu wirken, Zusammenhalt zu erwecken und eine Einheit zu bilden! Jetzt gibt sich uns Menschen die Gelegenheit, das, was uns ausmacht, unsere Menschlichkeit zum Vorschein zu bringen!
Was, wenn wir die Gefahr dann überwinden, was, wenn sich der Sturm dann verzieht, was wenn schließlich Windstille einkehrt? Wird es so sein wie damals? Werden wir leben können wie bisher? Werden wir leben WOLLEN wie zuvor? Wir haben Verbundenheit verspüren können, wir haben Geborgenheit geben können, wir haben Gemeinsamkeit erleben können, wir haben Achtsamkeit leben können! Wir haben Regenbögen gemalt und gemeinsam dazu getanzt, wir haben uns getraut zu uns selbst zu stehen, der Menschlichkeit einzustehen!
Das Leben wird weiterhin seine Kreise ziehen und auch die Sonne wird stets in ihrem morgendlichen Glanz erstrahlen, als wäre nichts gewesen. Aber unsere Herzen werden einen anderen Takt schlagen. Das monotone, eintönige, graue und starre, betriebsame und geschäftige Pulsieren wird den leichtfüßigen, liebenden, lockeren und staunenden Schlägen eines fröhlichen und gütigen Herzens weichen! Das Leben wird zwar nicht leichter sein, aber einfacher! So mancher Arbeits- oder Schultag wird uns gewiss Grübeleien oder gar so manches Grauen bescheren. Selbstzweifel, Liebeskummer oder Intrigen werden ebenso wenig aus der Welt zu schaffen sein und wenn wir der globalen Erwärmung, dem Massenaussterben und weltweiten Ungerechtigkeiten ein Ende setzen wollen, dann haben wir noch viel zu tun… Wenn wir aber aus dieser Zeit, aus der Zeit des Zusammenhalts, der Zeit der Zuversicht, der Zeit der Zufriedenheit auch nur ein winziges Fünkchen bewahren und nähren können, dann ist schon ein großer Schritt getan – ein großer, wanderlustiger Schritt in die richtige Richtung! Wenn wir auch bloß ein einziges Samenkörnchen aus dieser Zeit mitnehmen, es hegen und pflegen, gießen, behüten und zum Sprießen bringen, dann wird einst eine Gesellschaft, dann wird einst eine Welt in Harmonie, Frieden und Liebe erblühen! Dann wird das Leben zwar nicht einfacher sein, aber leichter – bescheidener, genügsamer, friedvoller…
Wir Menschen beginnen, in Einklang mit uns selbst zu kommen, in Einklang mit unseren Mitmenschen, in Einklang mit der Natur, der Umwelt, der Welt. Wenn wir uns selbst lieben, wenn wir einander lieben, beginnen wir auch diesen wundervoll fruchtbaren, wunderbar lebendigen Planeten zu lieben, ihn zu schätzen, zu hüten, zu bewahren, zu bewundern. Wenn wir eine weltweit, global übergreifende Pandemie gemeinsam bewältigen können, dann können wir ebenso gut der globalen Erwärmung Einhalt gebieten! Wir brauchen bloß an uns selbst zu glauben!

Regenbögen wachsen auf Fensterscheiben, auf Asphaltböden. Regenbögen spiegeln sich in unsern Augen. Regenbögen entspringen unseren Herzen. Die Buntheit, die Vielfalt, die Farbenfröhlichkeit, die Fülle – in der Welt, im Menschen, in dir, in mir. Lasst den Regenbogen in uns zum Erstrahlen bringen und miteinander Regenbogenbrücken bauen, denn Regenbögen verbinden – dich und mich.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.